Übrigens ist dieser Text natürlich nicht nur für Menschen nach Gewalterfahrungen geschrieben.
Ich vermute, dass sich hier so manche klar Denkende wiederfinden und wissen, was ich meine, denn ich spüre, ich schreibe hier so manchem aus dem schweren, Augen verdrehenden Herzen.
Doch da sich das Thema explizit am Thema Gewalterfahrung aufhängt, in letzter Zeit verstärkt, war es mir ein Bedürfnis, dies auch ausdrücklich zu schreiben.
Ich weiß manchmal nicht, ob ich mein Beileid aussprechen soll oder lieber still sein, wenn mir erzählt wird, man sei oder gehe gehe jetzt den spirituellen Weg ... Wer sein gewöhnliches Leben nicht als zutiefst be geistert erkennt, wird die Köstlichkeit der Einfachheit verfehlen und sein Glück in allen möglichen Konzepten, Ideen und Ideologien versuchen zu finden.
Das Scheitern ist gleich mit im Paket.
Das ist sicher.
Als Einziges.
Alle Wege münden früher oder später Hier.
Mit einem großen Paukeschlag oder der Salamitechnik der Enttäuschung.
Von daher ... Ce la vie
Alles Gut(e)
Von Herzen Carmen

Sich als Gewaltopfer wirklich gesehen, verstanden und angenommen zu fühlen, ist einer der Quellen tiefster Heilung.
Sich in seinem So Sein, seiner Wahren Natur gesehen zu fühlen, auch.
Beides zusammen kein Widerspruch.
Relatives und Absolutes gehen Hand in Hand.
Und sind, davon mal ganz abgesehen im Natürlichen Zustand/ Modus des Bewusstseins,
der absoluten Einfachheit ohnehin nichts Verschiedenes.
Keine Zwei, nicht eins.

„Wer das All erkennt, sich selbst aber verfehlt, hat das Ganze verfehlt.“ (Thomas Evangelium)

... aber keine Angst, ich habe mit Kirche und Konfession nichts am Hut.
Dieser Satz kann eh nur frisch aus einer tiefen Herzensmystik verstanden werden und lässt noch mal vieles klar werden.
Doch das ist gerade nicht das Thema.
Wollte damit nur die Einfachheit untermauern.
Dass du jetzt schon vollkommen bist und nichts an und mit dir falsch ist.
Auch und vor allem nicht, wenn dir Schlimmes im Leben zugestoßen ist.

Einfachheit stärkt.
Einfachheit heilt.
Einfachheit ermächtigt, statt zu entmündigen.

Gesegnet, wer dies erleben oder immer wieder schenken darf.
Oder beides, wie in meinem Fall.
Dankbar.
Dennoch … auf ein paar Worte weitere Worte zu diesem komplexen Thema.
Nur der Versuch eines kleinen Ausschnitts,ohne den Anspruch dies in Gänze beschreiben zu können.
Habe selbst nun an die 49 Jahre gebraucht, um dieses Anliegen, das mir gefühlt schon ewig auf der Seele lag, in Worte zu fassen.

Die Qualität eures Verhaltens wiegt schwer,
liebe Coaches, Berater, Ärzte, Psychotherapeuten, Psychologen, Heiler, Gurus, u.s.w....
Was ihr sagt, hat Gewicht …
unterschätzt das nicht.
Kann Heiltrank sein oder schleichendes Gift.
Ihr seid helfende Hände oder welche,
die in die Dunkelheit zurückstoßen,
seien sie auch noch so lieblich
spirituell verkleidet
oder therapeutisch korrekt getarnt.

Die Härte und Schärfe eurer Beurteilung und Interpretation, verbal oder nonverbal, die verlockende Süße eurer Manipulationen, wiegt für Gewaltopfer schwerer, als ihr wisst, liebe Berater, Psychologen, Coaches, Ärzte, spirituellen Lehrer, Gurus u.s.w..
Auch wenn ihr glaubt, ganz viel über Trauma und Gewaltopfer zu wissen, im spirituellen Bereich ja auch gar nicht gerne bewertet, ohne trennende Gedanken seid, natürlich völlig absichtslos seid und schon längst in der bedingungslosen Liebe.
Ja ja, ich weiß schon...
Viele Wissende mit viel Wissen und oft genug ohne Kontakt, nicht wirklich verbunden, nicht sehend und fühlend...
Da fehlt was!
Ach wenn ihr doch nur mal denken würdet, die Kapazität eures klaren Denkens und Verstandes nutzen könntet, ach wenn ihr doch nur mal bewerten würdet, aus der Klarheit heraus, ach wenn ihr doch auch nur ansatzweise ahnen würdet, wie berechnend, trennend und herablassend all eure Bedingungslosigkeiten, Nettigkeiten und Absichtslosigkeiten wirken und wie zerklüftend eure Ideen von Verbundenheit und Macht oder Ohnmacht. ...

Wirklich begegnen kannst du der Wahrheit und Wirklichkeit nur aus der Realität und im direkten, unmittelbaren Kontakt mit dir selbst und dem Leben.
Wirklich begegnen kannst du dem Menschen und dem Leben, was dasselbe ist, nur, wenn Leere und Offenheit vorherrscht.
Ich meine echte Leere und echte Offenheit, nicht eine Idee davon.
Ohne Konzept oder vorgefertigte Konstrukte und eine gewisse, eigene Reife und Kompetenz, die man durch keinen Kurs oder Studium, durch keine Professur und kein Webinar erwerben kann.
Manch einer hat es natürlicherweise, dann ist ein Studium und ein heilsames therapeutisches Konzept oder eine Methode kein Hindernis, sondern unterstützend.
Doch dies ist selten genug.
Die Realität ist gnadenlos, nicht weichgespült, nicht berechenbar und komplex.
Manchmal so hochkomplex, dass nur aus der Weite und Demut und das auch nur annähernd erfasst werden kann, was ansonsten unfassbar bleibt.
So wirken z.B. in Opfer Täterdynamiken unfassbare, den normochrom, konditionierten und erlernbar erfassbaren Rahmen absolut sprengende Muster und Dynamiken.
Doch genau so können Menschen, die eigentlich Verheerendes erlebt haben in einem offensichtlich guten, klaren, stabilen Zustand sein.
Wie geht das, fragt ihr euch?
Lügen sie etwa?
Dramatisieren sie?
Gibt es da etwas, was ihr nicht fassen könnt, das sich eurem Wissen entzieht, eurer Erfahrung, eurer Kontrolle?
Und könnt ihr dann trotzdem einfach damit hier sein?
Präsent mit und für diesen Menschen mit seinem Anliegen?
Oder springt das Ego an?
Könnt ihr denn selbst mit euren Grenzen umgehen und könnt die des anderen wahren und respektieren?

Wie schafft man es dennoch, den erschreckenden Strukturen und Dynmaiken zu begegnen und in offener Präsenz zu sein, diese zu erfassen, diese zu erforschen und zu spiegeln, so dass sie für den Menschen händelbar werden, verdaubar, integrierbar, so dass er mit sich und dem Erlebten Frieden schließen kann und er so mit allem, wie es ist, in der Gegenwärtigkeit verwurzelt sein kann, dass er verfügbar ist für die Kraft und den Segen dieses Momentes und offen für den Großen, irreversiblen Frieden, der alles überstrahlen wird und helfen wird, die Reste der Spätfolgen der Traumatisierung in Ordnung zu bringen?
Eine absolute Gradwanderung zwischen den Notwendigkeiten der Freiheit von begrenzten Moralvorstellungen, theoretischem Wissen und der feinen Empfindung von richtig und falsch, der größeren, natürlichen Ordnung, von Gerechtigkeit und einem Feingespür für das natürliche Werteempfinden des Opfers und einer ehrlichen, eigenen Bereitschaft mit dem Opfer in seiner Unfassbarkeit und Ratlosigkeit präsent zu sein, bis sie sich aus der Erstarrung löst und lebendig wird.


Lebendige Ratlosigkeit und Unfassbarkeit in einer gemeinsam erlebten Unmittelbarkeit und Frische, hat etwas sehr friedvolles, wenn es aus der Präsenz kommt. Denn sie vermittelt Sicherheit und Leichtigkeit, viel mehr als ein  aufgesetztes "Ich weiß wo´s lang geht und ich weiß es auf jeden Fall besser als du."

Ermächtigung statt Entmündigung kann geschehen - Wow!

Denn sie mündet in menschlichem Respekt, auf Augenhöhe, wurzelnd in der Wirklichkeit.
Sie sinkt ins Nichtwissen und dieses Nichtwissen ist der Anfang.
Der lebendige Anfang, aus dem sich alle guten Kräfte und Ressourcen, ganz von alleine mobilisieren können.
Ein lebendiger Anfang, der in seinem einfachen Kontakt mit dem Menschen und dem wie es ist und diesem Moment nach echtem, purem Mitgefühl schmeckt.

Du stehst immer am Anfang.
Der Ratsuchende steht immer am Anfang.
Hier.
Nur so gelingt es.
Ohne roten Faden.
Ohne Idee wie es zu gehen hat.
Ohne Zwang und einem starren Heilungskorsettkonzept.

"Wenn Sie unsere Medikamente nicht nehmen, passen Sie nicht in unser Konzept. Dann fliegen Sie." - oder " Wollen Sie mir etwa auf Augenhöhe begegnen?"

Wie bitte? Was ist mit der Selbstverantwortung und Selbstermächtigung des Patienten, des Hilfesuchenden.
Darf er nicht selbst entscheiden, was für ihn passt oder nicht?
Welchen Weg er mitgehen kann und welchen nicht?
Unfassbar. 
Muss über Augenhöhe und Respekt noch diskutiert werden, wenn ein Mensch ohnehin am Boden zerstört ist ... ?
Dies nur ein  kleiner Ausflug in eine Abteilung derer, die mit Gewalt- und Traumaopfern zu tun haben ,  Kompetenzen ... ? !

Es gelingt also nur aus dem direkten, frischen Augen Blick.
Aus dem offenen, respektvollen Miteinanderseins.
Im Hin Blick aus dem Jetzt auf das, was sich jetzt zeigt und was als Option zur Verfügung steht.
Nicht in deinem Kopf, lieber Berater, es geht nicht um dich, sondern um den, der sich anvertraut.
Wenn es zur Verfügung steht, ist es wahr, ist es echt, berührt es.
Dann hat es Kraft.

Sätze aus der falsch verstandenen Esoterik und der Scheinspiritualität wie:

„Da ist niemand, der Opfer oder Täter wäre.“
„Du hast dir das alles so rausgesucht und wolltest das so erleben.“
„Schau doch mal, was das mit dir zu tun hat.“
„In Wirklichkeit ist niemanden irgendwas passiert.“
„Du musst aus dem Opferbewusstsein aussteigen.“
„Du bist der Schöpfer deines Lebens.“
„Dich gibt es nicht und den anderen auch nicht.“
„Du hängst sehr an deiner Geschichte, oder?“
„Du bist stark identifiziert.“
„Das ist falsch wie du fühlst, oder wie du es machst.“
„Du musst Vergebungsarbeit leisten.“
„Was will dir dieses Erlebnis sagen, wieso warst du in Resonanz damit?“
„Also das musst du jetzt wirklich mal loslassen?“
„Wie lange willst du das denn noch fühlen?“
"Wann willst du das denn endlich mal beenden und neu beginnen?"
"Wir sind alle göttliche Wesen und du musst endlich vergeben"
„Du willst immer im Mittelpunkt stehen damit.“
„Gib dem Ganzen nicht so viel Aufmerksamkeit.“
"Du hast einen freien Willen, du hast das so gewählt"
"Du musst dir bewusst machen, was du leben willst und es gestalten "  …

oder sonstige Ungeheuerlichkeiten aus falsch und halbherzig interpretierten Konzepten über Gott und die Welt, können tatsächlich retraumatisieren und zusätzliches, unsägliches Leid wie schleichendes Gift in die ohnehin noch klaffende, blutende und eiternde Wunde träufeln.

Selbst ich musste mich vor Jahren regelrecht rechtfertigen, da ich als Satanglehrerin und sogenannte „Erleuchtete“ ein Buch zu meiner Geschichte herausbrachte und offen über meine Erfahrungen als Gewaltopfer sprach, samt meiner erlebten gleichzeitigen Perspektive aus dem Natürlichen Bewusstseinsmodus, der nichts als reine Gnade und Natürlichkeit ist.

Alleine das Wort „Ich“, „Geschichte“, „Opfer“ und „Täter“ öffentlich in den Mund zu nehmen... ts, ts, ts...
Ein Faupax.
Eine Erleuchtete, die ihre Geschichte und ihren Körper nicht abspaltet und sich dem gängigen Sprachchargon der Szene anpasst, sprengt das den Rahmen, von was … ? , dieser oder einer anderen Szene, ist völlig gleichgültig.
Man passt nirgendwo hinein und gehört nirgendwo dazu, ist man sich selbst treu.
Man ist alleine.
Ich kenne nur und das von Anfang an, den Natürlichen Zustand.
Mich in Dem.
Mich als Das.
Mit allem drum und dran.
Mittendrin und leer.
Das war so natürlich, so normal für mich, dass es zwar nichts Besonderes ist für mich, doch gleichzeitig das Kostbarste.
Das ich damit nämlich ziemlich alleine da stand checkte ich erst im Laufe meines Lebens.
Und in den letzten 20 Jahren meiner Arbeit in der therapeutischen, heilerischen, esoterischen und Erleuchtungsszene klickte es dann in einer Art Dauerorgasmus und es hörte gar nicht mehr auf mit den Aha ´s und kein Wunder ...
Das wurde gesucht, danach wurde gerannt, das wurde mit aller Gewalt versucht herzustellen.
Doch es lässt sich nicht packen, nicht greifen, nicht besitzen, nicht herstellen, nicht manipulieren.
Das Echte nicht - die Menschen, die Sucher aber schon.

Diese Kraft, diese Qualität des Natürlichen Zustandes, absolut nondual und vor allem, vor jeglicher Erfahrung ist eine große Ressource, die mit allem hier sein lässt.
Die Raum gibt.
Klares Schauen geschehen lässt.
Mit allem menschlichen, in aller Einfachheit und in aller Stärke, Klarheit und Stabilität gleichermaßen.
Und manchmal natürlich auch mit dem Schmerz und dem blanken Entsetzen, mit der Verzweiflung, mit der Angst, mit der Schwäche, mit der Unruhe, mit all den ungeweinten Tränen, mit allen lautlosen Schreien, mit allem, was sich eben zeigt.
Was auch sonst?
Keine Idee, kein Interesse gottgleich zu sein und über was auch immer zu stehen.
Mittendrin präsent.

Oft genug musste ich mir anhören
Weit entwickelt zu sein und dann noch manchmal Schmerz und Angst zu haben ...?

"Du musst das doch endlich mal überwinden, einen Durchbruch haben...
“ Wie, du hast immer noch Schmerzen?"
Hä?
Wohin entwickeln? Ja, und?
Darf der Körper nicht schmerzen und seine Last haben mit diesem und Jenem?
Schließlich hat er einiges durchgemacht.
Das bleibt nicht in den Klamotten hängen.
Was ist das denn alles für eine gequirlte Scheiße?

Dieser Friede ist irreversibel.
Die Kapazität als Präsenz mit dem, wie es ist, Hier zu sein ist unerschöpflich.
Alles was unterstützt, wird getan.
Alles kommt auf ganz natürliche Weise in Ordnung.
Die Selbstregulation läuft auf Hochtouren.
Der Innere Friede ist stabil und stürzt nicht ab.
Die Einfachheit ist das Kostbarste.
Wo bitte schön, soll ich mich denn hin entwickeln oder irgendwer?
Wohin?
Zu wem?
Es geschieht doch schon unermesslich viel Wundervolles.

" Liebe Rose, ich bin zwar keine und hab keine Ahnung von dir, aber ich weiß es besser als du.
Du musst dich weiterentwickeln, wachsen und so und einen Durchbruch haben ... "

Als was., als Rose ?
Bin ich doch schon.
Als weit entwickelte Rose ?
Blüht die dann ewig?
Was für ein Stress. Was für ein Schwachsinn.
Die Rose erblüht von sebst.
Erblüht still, ohne Lärm.
Ich habe noch keine Rose schreien hören oder auf FB posten :"Ich bin erwacht, ich bin erleuchtet, ich bin ein Heiler, ich bin weit entwickelt, ich hatte einen spirituellen Durchbruch" .
Und dann.... die Blütezeit ist vorbei, sie verliert ihre Blätter und vergeht ... ebenso still. ... wieder kein Geschrei.
Und dabei so schön, so rein, so heilsam, so weise.

Selbst ohne Traumatisierung, darf denn der Körper nicht weh tun, müde sein, Trauer und Freude empfinden und all das?
Woher diese Allmachts – und Vollkommenheitsphantasien?
Gruselig.
Nimm die Beine in die Hand, wenn´s geht und dir sowas begegnet.

Ich sehe so viel Trance, egal in welcher Szene und vor allem in den Interpretationen und was dann daraus gemacht wird.
Oft genug ein Irrsinn an sich.
Oft genug scheint es so, als ob es mehr um den Lehrer, um den Therapeuten, um den Arzt, um den Berater ging, also um sein Ego meine ich, um seinen verletzten Stolz, wenn es nicht so funktioniert, wie der gute Herr oder die gute Dame sich das vogestellt hat.

Wie gut wenn das Schwert der Wahrheit und Klarheit des Natürlichen Zustands, echte Entlastung und Erleichterung schafft und der klare Verstand erhalten bleibt und sich durchsetzt.
Trotz und in aller Schwäche und menschlicher Bedürftigkeit.
Vor allem, wenn ein Mensch durch das Erlebte ohnehin schon, rein körperlich und mental massiv verunsichert, orientierungslos und geschwächt war und /oder er sich dadurch an seine eigene Kapazität, die ihm aus den natürlichen Quelle der Ressourcen zur Verfügung stand erinnert und ihnen, endlich wieder vertraut.
Wird etwas übergestülpt ist es wie eine weitere Gewalt, subtil zwar, doch es ist und bleibt Gewalt.
Es legt sich offensichtlich, doch manchmal auch klammheimlich wie etwas über diesen Menschen, wie ein schweres, durchsichtiges Schleiertuch, wie eine hauchdünne, klebrige Schicht.
Das kann man deutllich spüren.
Und dies ernst nehmen und  dementsprechend reagieren.
Der Schuld – und Schamkomplex wird ansonsten u.a. dadurch massiv genährt und der betroffene Mensch weiterhin perfide geschwächt.
Nicht genug damit, nein, er muss sich auch noch mit dem Wahnsinn und der Täuschung des Anderen beschäftigen und belasten, hat man doch mit sich selbst wahrlich schon genug zu tun.
Oft wird diese von den Betroffenen erst sehr viel später, oft erst Jahre danach bewusst registriert, wenngleich viele oft sofort ein mulmiges Gefühl haben, dem aber nicht vertrauten oder es übergingen.
Da sie sich ja  ohnehin meist beschissen fühlen, schreiben sie das oft genug ihrer eigenen Unfähigkeit und ihrem Versagen zu, endlich damit umgehen zu können und drehen sich im Hamsterrad des Zweifels um die eigene Achse. Da die Verunsicherung, der Schmerz und die Angst, samt dem übermächtigen Wunsch nach Hilfe, Zuspruch und Kontakt, ohnehin so groß waren, dass sie mit falschen, bzw. unreifen Beratern, bzw. deren eigener Konditionierungen und all ihrer bedrückenden, fadenscheinigen Interpretationen oft noch schlimmer dran sind, als wenn sie alleine damit wären, es aber alles alleine unglaublich schwer auszuhalten ist, fehlt es noch an Erdung, Zentriertheit, Präsenz und Vertrauen in sich und seinen Körper, hat man hier oft nur die Wahl zwischen Pest und Cholera.
Man erhofft sich Zugehörigkeit, Mitgefühl und Verbundenheit, von der ja, vor allem in der spirituellen (was soll das eigentlich sein), therapeutischen und heilerischen Szene oft genug und ja laut genug gefaselt wird und bekommt … etwas anderes.
Alleiniger kann man sich als Gewaltopfer nicht fühlen, als mit scheinbaren, angeblich kompetenten Beratern, die einen jedoch eher ins Traumaloch und ins Klein - und Schwachsein zurückstoßen und das oft sehr subtil, als für echte Erleichterung zu sorgen.
Es gibt noch mehr Nichtweisheiten, die in meiner eigenen Erfahrung und in der Begleitung mit Menschen, die Gewalt erlebt haben, die hier an dieser Stelle völlig unangebracht sind, zeugen sie doch von Arroganz, Unreife und Unwissenheit und sind in meinem Erleben an Respektlosigkeit nicht zu überbieten.
Es klingt hart, was ich schreibe, ich weiß das.
Es klingt unversöhnlich und verbittert, ist es aber nicht.
Es ist nur klar.

Es ist nur die Kraft der Klarheit und Stärke und der eigenen Rückverbundenheit, die sich gegen all diesen Unsinn und diese perfiden Machtspielchen wehrt.
Das Benennen und Schreiben davon.

Und das zur Verfügung stellen meiner reichhaltigen, eigenen persönlichen und beruflichen Erfahrung.
Das Erheben der Stimme dafür.
Perönlich und völlig unpersönlich.

Für die, die es hören können und nutzen möchten für sich.

In den persönlichen Gesprächen in meiner Praxis geschieht dies ohnehin jeden Tag.
Es ist leider Realität da "draussen".

Ich habe mir lediglich die Mühe gemacht, den ganzen heutigen Tag dafür zu nutzen, um diesen Artikel zu schreiben und ihn öffentlich zur Verfügung zu stellen.
So sieht es nun mal auch aus in diesem Bereich, in diesen Landschaften.
Und ich kann und darf darüber schreiben und es benennen, da ich es sowohl selbst erlebte, als auch, fast täglich mit Menschen im Gespräch bin, die selbiges erleben und nicht nur aufgrund ihrer eigentlichen Gewalterfahrung, sondern auch noch aufgrund ihrer verwirrenden, schwächenden Behandlungen und Berater händeringend nach Klarheit und Stabilität suchen .

Es ist oft völlig verdreht.

Ganze Bücher könnte ich mit diesen abstrusen Kommentaren, der Respektlosigkeit, dem subtilen Macht- und Aggressionsgehabe, der Opfer -Täter Verdrehung, der Verharmlosung, kalter Ignoranz, dem Demonstrieren von Überlegenheit, bis hin zu Spott und abfälligen Bemerkungen, das oft in Menschen angestachelt wird, haben sie es mit einem Gewaltopfer zu tun.
Interessant, was da in Menschen abläuft, sehr interessant, doch hilft es dem Hilfesuchenden in keinster Weise weiter.
Es schadet.
Es ist als ob es in der Gesellschaft so eine Art unsichtbare Schablone geben müsste, in die ein Gewaltopfer passen müsste. Fällt es aus dem Rahmen, hat es noch mal verloren.
Oder als ob viele hier die Gelegenheit sehen, sich selbst daran hochzuziehen. Ihren eigenen Minderwert zu übertünchen. Ihrer eigenen Schwäche zu entkommen. Sich drüberzustellen. Von sich selbst abzulenken und ähnliches.

Einen Vorwurf kann man diesen Menschen allen jedoch auch nicht machen, denn sie werden ebenso zu 100 % Prozent gespielt, wie wir alle und sind sich eben ihrer selbst und ihrer Muster nur mehr oder weniger bewusst oder glauben immer noch an das Märchen der Kontrolle und eines eigenständig handelnden Ichs.
Trotzdem schreibt es nun hier diese Zeilen.
Es ist offensichtlich Zeit und Raum, auf diese Tatsachen hinzuweisen.

Ein Konzept und erlernbares Wissen ist natürlich auch angebracht und kann sicherlich hilfreich sein in der Stabilisierung, ohne Frage, doch die Fähigkeit mit sich selbst wirklich in Kontakt zu sein und damit mit dem anderen, ist mindestens genau so wichtig.
Nicht wie es zu sein hätte, sondern in dem, so wie es ist, ist die Basis, damit Erleichterung und Frieden schließen überhaupt passieren kann.
Wie viele Menschen, die schwere Traumatisierung erlebt haben, haben natürlichen Zugang zu ihrem Natürlichen Zustand und seinen Ressourcen. Dies kann gesehen werden, gefühlt werden und …. darauf hingewiesen, ist der Berater überhaupt selbst in diesem Modus, kann ihn realisieren und spiegeln.
Es ermächtigt diesen Menschen oft sofort, mit sich selbst wieder in Kontakt sein zu können und das Erlebte noch einmal und solange bis es händelbar ist, neu zu verhandeln.
Dies kann jedoch nur gesehen werden, wenn ich den Menschen frisch und gegenwärtig fühle und empfinde und nicht durch die Brille „Gewaltopfer“ oder „Ich der Wissende, der Bescheid weiß“ u.s.w.


Ich stehe als Berater nicht über dem Ratsuchenden!
Niemals!
Vielleicht musst du dich als Berater ja selbst strecken, um die Gefühle und das Erlebte erfassen zu können, in Demut, in Offenheit, in Zugewandtheit, im echten Zuhören und gelebten Mit Gefühl.

Nicht indem du die Antwort schon glaubst zu wissen, noch ehe du den anderen gesehen hast.
Es sind alles deine Antworten, deine Konzepte, Projektionen.
Es sind nicht seine Antworten.
Seine Antworten kennst du erst, wenn du im Nichtwissen bist.
Und wirklich in Wahrheit mit dem Anderen.
Bis ihr beide samt der Geschichte hier verschwindet und klar wird, was jetzt dient.
Oft genug staune ich über das, was in mir möglich war und zur Verfügung stand durch alles Schlimme hindurch und das, was ich, fast täglich in den Gesprächen mit Menschen entdecke.

Unfassbar, dieses Wunderwerk des Gehirns und der Psyche, was diese Körper alles verkraften und leisten können und welche, oft ganz einfache Ressourcen wirkten und zur Verfügung stehen.
Wundervoll wenn man als Gesprächspartner und Berater selbst staunen kann.
Dies geht nur in Offenheit und gegenwärtiger Frische.Niemals als vermeintlich Wissender.

Präsenz, Empathie, Offenheit und die Bereitschaft des Nichtwissen sind ein guter Nährboden für ein ressourcendes, stärkendes Mitgefühl, im Kontakt mit einem Menschen, der nach überwältigenden, unfassbaren Erfahrungen, nach Frieden, Verständnis und Erleichterung sucht, so dass er sich selbst wieder mit sich und seinen Wurzeln verbunden fühlen kann.
Die Beziehungsebene und Qualität ist fast noch wichtiger, als die angewandte Methode, z.B. zur Traumabewältigung und Bewusstwerdung selbst. Sich als Gewaltopfer wirklich gesehen, verstanden und angenommen zu fühlen, ist einer der Quellen tiefster Heilung.
Gesegnet, wer dies selbst erleben oder geben darf in aller Offenheit, Bodenständigkeit und Klarheit.
Oder beides, so wie in meinem Fall.
Ohne das dies eine Identität wäre.
Es ist einfach nur eine Feststellung.
Sie lässt frei, sich zugleich aus diesem Erleben und den damit in dieser Gesellschaft verknüpften Schablonen zu befreien.
Man kann es so benennen, ohne es zu sein.
Versteht ihr, was ich damit sagen will?
Ich kann sagen: „Ja ich war Gewaltopfer, doch ich bin keines mehr. Ich habe überlebt. Ich habe es geschafft. Doch ich muss es nicht leugnen. Darf gut und respektvoll mit mir und dieser Tatsache umgehen. Ich muss keine Angst haben, dies zuzugeben, doch weder klebe ich daran, noch gestatte ich anderen, mich an diesem Etikett dauerhaft zu kreuzigen und an den Pranger zu stellen.“

Dankbar, soweit man in diesem Thema, an dieser Stelle überhaupt von Dankbarkeit sprechen kann.
Wer hören kann, der höre!
Die Dankbarkeit bezieht sich eher aus der Realisation des Natürlichen Zustands durch jegliches Schicksal hindurch, einschließlich der Dankbarkeit der Menschen, die sich durch unser Zusammensein oder im Gespräch angenommen, gesehen, verstanden und erleichtert fühlen, trotz der Schwere des jeweiligen Schicksals.
Gut, wenn man die Kirche im Dorf lassen kann und den Boden der Tatsachen nicht unter den Füßen verliert, bei allem was es an wundervollen Möglichkeiten und Methoden gibt und bei aller glorreicher Erleuchtung und Bewusstheit, die so manch einer glaubt zu haben.
Wir sind alles Menschen, unendlich verletzlich und in dieser Verletzlichkeit zutiefst bedürftig und aufeinander angewiesen und wir sind Bewusstsein. Lebendiges Bewusstsein mit wundervollen Möglichkeiten.
Gut wenn hier, vor allem in diesem schwierigen Thema, Natürlichkeit und Menschlichkeit herrschen kann.
Und Demut angesichts unvorstellbarer Erfahrungen.
Alleiniger kann sich ein Mensch kaum fühlen, als unter Menschen, die es vermeintlich besser wissen, als er selbst.
Oder die ihr angebliches Wissen überstülpen.
Oder die Richtigkeit seine Erlebens anzweifeln.
Die ihn in Frage stellen, entweder weil er zu souverän und Opferuntypisch oder verunsichert auf das erlebte reagiert und er deshalb ständig am Pranger steht.

Nicht alles ist heilbar, jedes Körper Geist System funktioniert anders.
Nicht immer darf dauerhaft der ganze Schmerz verschwinden.
Nicht jedes Nervensystem kann sich vollständig erholen.

Es gibt helle und dunkle Stunden, auch weiterhin.

Doch in vielen Fällen darf der Große Friede übernehmen, alles tragen, umhüllen und überstrahlen,
Akzeptanz die Grundlage sein, die Gewissheit der zugrundeliegenden Realität als Wurzel stärken und die Zufriedenheit der Einfachheit übernehmen.

Die genug ist.
Mehr als genug.
Jenseits aller Konzepte und Ideen über Heilung, Schmerzfreiheit, Trauma und Schicksal.
Jenseits aller Wissenden.
Mitten im natürlichen, kompetenten, ermächtigten und doch so einfachen Menschsein.

P.S:Übrigens ist dieser Text natürlich nicht nur für Menschen nach Gewalterfahrungen geschrieben. Ich vermute, dass sich hier so manche klar Denkende wiederfinden und wissen, was ich meine, denn ich spüre, ich schreibe hier so manchem aus dem schweren, Augen verdrehenden Herzen. 
Doch da sich das Thema explizit am Thema Gewalterfahrung aufhängt in letzter Zeit verstärkt, war es mir ein Bedürfnis, dies auch ausdrücklich zu schreiben.
Ich weiß manchmal nicht, ob ich mein Beileid aussprechen soll oder lieber still sein, wenn mir erzählt wird, man sei oder gehe jetzt den spirituellen Weg ...
Wer sein gewöhnliches Leben nicht als zutiefst be geistert erkennt, wird die Köstlichkeit der Einfachheit verfehlen und sein Glück in allen möglichen Konzepten, Ideen und Ideologien versuchen zu finden. Das Scheitern ist gleich mit im Paket. Das ist sicher. Als Einziges.
Alle Wege münden früher oder später Hier.
Mit einem großen Paukeschlag oder der Salamitechnik der Enttäuschung.
Von daher ...
Ce la vie
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