als ob die biene wilden honig singt

unpersönliche seele
reine poesie
aus schwarzem feuerfunken
unsichtbare farben
die nur im lichtundschattenbilde
sichtbar tanzen
schillernd
nur für sich

großer geliebter
glanz des unsterblichen kusses
aus stillem
frischen morgentau
leidenschaftliches gedicht
was wär´ich ohne dich
tag und nacht
und nacht und tag
mein strenger gebieter
unvorstellbarer erlösung
für dich
und mich
und sich

so schreib ich
weil es nicht anders geht
weil ansonsten alle uhren des leids und der zeit niemals stillsteh´n
und alle küsse bitter schmecken
weht kein glanz

nur hier
atmet glänzend
erleuchtender schmerz
alle zeiten
in ein einzig erklingendes
leidfreies ich
größer als alles
unverwüstlich
und unabänderlich

schreiben sich mit wahrheitstinte
voller lust und stilleton
erlöste spuren
in zeitlosen erdenstränden
völlig verrückt vor liebe
wälzen sie sich
als ob sie eins
liebe nur
liebe
diese
höhlt umarmend alles aus
lodern feurige wahrheitszungen
genussvoll leckend
jedes a und b und c
das ganze alphabet
es glüht

es schmeckt
das ganze leben
da es
begeistern will
erwecken
und das gewöhnliche
vergessene
ins einfache herzen
des ganzen
stößt

bis es eins ist
nichts und leer
ergeben
ertrunkener tropfen
und der ozean in ihm

wo reines wasser des lebens
alle mütter und väter und kinder
samt aller spuren
unschuldiger dunkelheit
und sündigem licht
am strand der ewigkeit
des anfangs
aller leben
schmerzhaft erinnernd
verschmelzend liebt
erkennendlehrend
weckt und wäscht
und beizeiten zeitlos
leibhaftig
verschlingend
und bedingungslos
alles leidfrei löscht

unpersönliche seelenpoesie
mein unersättlich
unermüdlicher
geliebter
tag und nacht
schreibst du mich
zeitlos
endlos
zum anfang nur
zum anfang
drängst du mich
alles in mir
und mich in allem
mit nichts mehr
als einer rose
in meiner brust
mehr ist nicht mehr

sitzt so lässig als friede selbst
tag und nacht an meinem bett
und neben mir am pult
weichst nicht
weil du
dürstest
nach wahrheit
endlos nur
als ob´s das einzig leben
pur
nur deines wär´

alle erden
alle welten
und das all
im hier
und sich
und mir
verschmelzend
entbindend
im schreiben
erschöpft

mir ungestüm und voller leidenschaft
alles geschriebene
als neckisch zugeworfener stiller gruß
von weitem, jenseits,
aus der ferne,
so unerhört nah
als heimlichweiseeinsamstillverdauter kuss

meins und deins und seins
wem´s gehört ist einerlei
die besitzer sind längst tot
doch manche noch nicht frei
beizeiten
wahrlebendigwachgeküsst im nichts der wirklichkeit

wie all einiger nektar
goldener
jedes wort
aus meiner bluse tropft
und aus meiner menschenhand
ganz frau
es sich spielerisch formt zum gedicht
als ob die biene
wilden honig singt
und ihn
als ihren gold´nen glanz
zum ersten blühen bringt
zum ersten blühen bringt
zur ersten blüte hier
ur klang pur
trägt ihren flug
verbrannter erdenstaub
wird klare sicht
durch deine seelenpoesie
geliebter
in ihrer ganzen unpersönlichkeit

jede zelle
bebend
im takt
eines zeitlosen morgen und gestern
und nichts
vibriert es sich
heiß glühend
in der lustvollen wortschmiede
des geliebten
formt daraus ein neues, frisches hier
hufeisenglück und kleeblätter fallen nun
statt buchstaben und erdenkindern
aus meinem schoß

verlorene alte geschichten
gott sei dank
samt aller mütter und väter und kinder
es gibt sie nicht länger
nur reingewaschener glanz
seliger vergebung
der nichts anderes ist
als leerer, frischer morgentau
vor der schmiede des geliebten
zärtlich hingeworfen
ins sichere, rettende, kühle nass
um hier
in der freiheit
im frischen grünen gras
vom heißen schmerzvergessenen erinnern
selbstverlorenen vergebenen
zum befreiten und bedeutunglosen
sich gühend zu entformen 

Lesung: Als ob die Biene wilden Honig singt (Neue Gedichte #9)
..
zurück zur Übersicht