Dies ist das letzte Gedicht

gedicht der unruhe

unsagbar
unsäglich

spielt ihr das spiel der freiheit
und ihr spielt es gut
fast könnte man meinen
ihr beherrscht´s
kriegt eure täuschung nicht mit
euren schein
eure wut
ist gut versteckt
hinterm licht des seins
der eingebildeten unbedingtheit
und der täuschend echten selbstlosigkeit

doch ist es das sein
so ist´s doch nicht wahr
so ist´s das sagbare noch
auch wenn das durchscheint
schon fast
so dass ihr meint
so
das war´s jetzt
ich hab´s

nichts
gar nichts habt ihr geschafft

das unsagbare nur
ist diese kraft
die euch
unsagbar hin
und alles
rafft

bis alles ist nur noch das
in echt erlebt
und wirklich nichts verschiedenes mehr
auch wenn der turm von babylon
und sei er auch noch so licht
und erwacht
sich wieder und wieder neu erschafft
doch ihr kriegt ´s nicht mit
ist ja so still und
so friedlich
so klar
und -
ach


nein
und nein -
er wird stürzen
beizeiten
jetzt oder in einem anderen jetzt
hier hinein
wenn das wirkt
von wo es sich schreibt
so lange
wie es nicht wird
so erlebt und verkörpert
ist in wahrheit gar nichts passiert

man kann es nicht kennen
nichts wissen davon
wär´s doch ein abklatsch nur
wenn ein kleiner spalt
hat sich geöffnet
in die räume des lebens
ein kleiner
vielleicht sind sie wahrer
als der rest
das mag schon sein
doch ist es nicht das unsagbare
sonst würdest du nicht mehr so sein

es macht was mit dir
so total
bis alles nur noch in dir schweigt
so unsagbar
schweigt
so ...
dass du nie mehr die gleiche
dass du nie mehr der gleiche
kannst sein

bis dahin
schickt ihr likes
hin und her
virtuell und privat
bestätigt euch stets
euer licht
euren glanz
ist´s doch nur schein
der mit donner und gloria
zerschlagen werden wird
hier ist es aus
mit heiligenschein
erwachten und satgurus
den stecker ziehts dir hier endgültig raus

so lange petzt es wie dem ochsen ins horn
sie können es nicht sehen
noch hören
und glauben
zu glauben ist es auch nicht

hast es probiert
mit ganzer kraft
wolltest dazugehören
ein einzig mal
doch ist es halt anders
ganz anders
so unsagbar
von anfang an
macht einsam
so unsagbar
einsam
sprengt dich raus
so unsagbar
wenn es wirklich geschieht

erst dann kennst du es
bevor es soweit ist
wird ein bisschen philosophiert
so lange tauscht ihr euch aus
denn es hat dich gestreift
oh ja
doch noch sagbar
noch sagbar

das braucht noch keinen mut
mut braucht es
den ganzen
das kann ich dir sagen
wenn alles wirklich wird still
kein like kommt
oder kaum
kein brief kommt an
kein telegramm
kein anruf bricht sich die bahn
zu dir
niemand kann dich hören
und sehen so wie es ist
keiner ist da
der die hand dir hält
wenn es weint und schreit und einsam ist
ob du schweigst oder sprichst

es wallen die nebel der täuschung
der verblendung
und der selbstgerechtigkeit
und all ihrer eingebildeten unbedingtheit
und sie halten im sagbaren stand
das ist so
es ist ein gesetz und muss so sein
du kannst es sehen
doch tut es weh
doch wollts´t du´s mal schreiben
als ob das ging´
ach nein
wie unsagbar
ist dieses echte all ein

keine beziehung
alles strukturen abgebrannt
nicht weil dies komisch wär´
deine schuld oder gar krank
sondern weil´s eben das ist
wovon ich hier sprech
so unsagbar
befreiend ist

von der so viele
so vieles wissen
darüber spotten
manchmal
denn sie ham´s ja erkannt
und wissen so viel
darüber
wie unsagbar töricht das ist
sie zu sehen
wenn sie schlaue reden schwing´n

ich sag dir eins
unsagbar …
ich sag dir eins
unsagbar ist´s
kommt dieses all ein

kommt dieser schmerz
und diese angst
die einzig kraft nur
und die nacht
wenn wirklich niemand ist da
ganz real
und kein nondualer spruch mehr hiflt
kein halt
und kein nichts
und keine energie
und kein frieden
von liebe schon ganz zu schweigen

die stille ist hier so laut
und so nackt
sie höhlt dich aus
stille kennen kannst du erst
wenn sie dich nimmt
und sich das zeigt
was stille ist
dann bist du nackt wie die stille selbst
so nackt bist du
so nackt
bis unter die haut
zieht es dich aus

die stille und das was sie ist
kriecht bis unter die knochenhaut
diese stille
bis auf die seele
nackter
nackter
nackter
prasselt jeder tropfen des lebens
es tut so weh
du könntest schreien
der schweiss bricht aus
es ist alles nur qual
die körper schrei´n
ins leere hinein
bloß ins all
oder das was es ist

wohin auch sonst
es verfeuert sich
das ganze
verdaut sich selbst
in dir
und dich mit
doch nicht ein bisschen bloß
ohne haut
denn auch sie ist weg
alles ist weg
nackt
völlig nackt

so ungeschützt
verkörpert – von was ?
so
wie du niemals geglaubt
deine essenz
so unbedingt
jetzt vermenschlicht sie sich
wenn das unsagbare verkörpert erwacht
lebendig wird als einziges
und
keiner da
außer dir
nicht mal das
nur atem noch
rasender herzschlag
und auch das verflüchtigt sich
so langsam und stetig
dass der tod
fast reicht dir die hand
doch nicht mal das

denn erlebst du
es erlebt dich das
von der du geglaubt,
das wär die
nichtexistenz
so lebendig
ja und nein
und stark
und schwach
es ist es nicht
darunter
es ist
noch davor
es ist das unsagbare

einerlei

es stirbt befreiend
dich hinein
heraus
es weiß was es tut
wenn du nicht mehr weißt
ob mann oder frau
ob links oder rechts
noch wo oben und unten ist

so unsagbar
den ganzen tag
die ganze nacht
denn all das sagbare
ach …


denn der
der ist frei
und glaubt es zu sein
oder gar unbedingt
kann es nicht sein
es kann nicht sein wahr
ganz gleich
wie viel er auch davon singt
oder weiß
oder schreibt

ein traum
ein schleier
hell leuchtend zwar
doch ist es noch blendwerk
selbstgerechtes
das letzte
so täuschend echt
und hart
und kalt
so kalt
bis auch dieser schleier
verfeuert
erlischt
und das licht geht gleich mit aus

das unsagbare
das echte
das wahre
alles stirbt zuerst
befreiung muss geschehen
weil du sonst wirst verrückt
denn
kein menschliches auge
hat es je gesehen
noch eine hand je berührt
und hattest du eigentlich danach gefragt ?
du weißt es nicht
und dies ist weise und ein schutz
gott sei dank

denn kann es mich sehen
und ich es
ja es geht
es geht
gott sei dank
und verstehen
tief verstehen
oh mein gott
aber
so unsagbar

es ist ein spiel
es spielt euch
solang
bis es ist wirklich vorbei
erst dann
wenn befreiung geschieht
es sich zeigt
wisst ihr
was unsagbar heißt

ihr würdet euch wünschen
ihr wärd nie geboren
oder tod
dieser wunsch erfüllt sich ja nun
doch nicht so
wie der mensch
es geglaubt und
vermag zu verstehen
einst
nein
unsagbar
ist ´s
dieses tun

ist´s die medaille noch
von der du sprichst
der unteilbaren zweier seiten
von frieden
sein und nichtsein
dies ist´s nicht
von was ich hier schreib
lass dir gesagt sein
das ist das sagbare
ist das eine
doch nicht das letzte

das letzte kennst du erst
als unsagbares
wenn es ist
vorher nicht
nur ahnungen
bevor´s erfahrung wird
die nimmt dich beim wort
und mit leib
und mit seele
die du geleugnet
lange zeit
bis zu dem punkt
wo es unsagbar ist
da ist´s
und bist
du der punkt

unbedingt
ist was du bist
und gibst
und nimmst
und schreibst
und singst
nichts gehört dir
kein geburtsrecht
keine wahl
und all dieses zeug

doch ist dieses unbedingt sein
und selbstlos
nicht wahr
gnadenvoll freier fall
ja
na ja
doch sagbar
bis es wird
unsagbar

dann wirst du s schmecken
von was ich hier schreib´
wenn es dich trifft
wenn es dich verdaut
unaufhaltsam
langsam
in seinem ganz eigenen rhytmus
damit es gelingt
damit es ist aushaltbar
was nicht aushaltbar ist
und sagbar ist es dann auch nicht mehr
und überhaupt
damit es auch greift
so richtig
beizeiten
spuckt es dich aus
als was .. ?
wohin weißt du nicht
und was es ist
weißt du auch nicht
doch darüber weißt du auch nichts mehr
und
nur die gewissheit
weiß
dass sie auf ewig allein
weil sie selbst ist
unsagbar

und dann
wahrlich
ist es unendlich unbedingt
du ahntest es zwischendrin schon
in den einsamen
nackten
kalten
totenstillen
dunklen
tagen
und nächten
einsamen lichtjahren
weit weg
von dem
was andere glaubten
was unbedingt ist
und du selbst
und frei
sie sehen es nicht
sie hören es nicht
so wie du einst
sie schmecken nicht
sie fühlen es nicht
sie kennen es nicht
so wie du einst

wie auch
es ist unsichtbar
es ist unsagbar
für die welt des scheins
weil es nicht das letzte ist
auch wenn sie es meint
erwacht zu sein
und gar erleuchtet
doch es kümmert dich nicht
und das ist das wunder
das erste mal nicht
dann
wenn
der schmerz
die qual
die kälte
die angst
die trauer
und die einsamkeit
alles so unsagbar
ist unbedingt
und endlich
für immer
und ewig
vorbei

erzählen kann man es nicht
denn unsagbar ist es
wie schon gesagt
obgleich so klar
sogar worte gibt’s dafür
schau doch hin
und lies
und horch
und lausch
wenn du willst

doch kannst du´s nicht geben
denn sonst bindet es
rühr es nicht an
ist es nicht das echte
geht es rasch vorbei
doch nicht rasch genug

hab mut
wenn es dich trifft
nur mut
bist so geliebt
doch davon weißt du hier nichts
nimm alles zusammen
an kraft
die du hast
und die dich finden kann
damit du es schaffst
auch wenn du von all dem nichts weißt

es weiß was es tut
die gewissheit
die unsagbare

auch mein letzter gruß
bleibt hier

unsagbar

Lesung: Gedicht der Unruhe (Sound Cloud)

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